Kurz & Knapp
Der Moment, in dem mir etwas bewusst geworden ist
In den letzten Monaten ist mir etwas aufgefallen. Immer wenn Menschen ChatGPT für ihre Contentplanung nutzen, taucht fast immer dieselbe Frage auf: "Gib mir 20 Blogartikelideen." Am besten sofort und möglichst auch noch gute.
Auf den ersten Blick klingt das völlig logisch. Schließlich soll ChatGPT genau dabei helfen, schneller Ideen zu entwickeln und neue Themen zu finden.
Trotzdem hat mich diese Frage zunehmend irritiert. Nicht weil ChatGPT darauf keine brauchbaren Antworten liefern könnte, wenn du ihm genügend Informationen über dich, deine Zielgruppe, dein Angebot und dein Business gibst. Die Ergebnisse fühlen sich häufig erstaunlich ähnlich an. Die Vorschläge sind nicht schlecht, wirken jedoch oft austauschbar. Viele Themen hat man in ähnlicher Form bereits unzählige Male gesehen.
Irgendwann kam mir ein anderer Gedanke. Vielleicht liegt das Problem gar nicht bei ChatGPT, sondern bei der Frage, die wir stellen.
Ein kleines Gedankenexperiment
Stell dir kurz vor, du würdest ChatGPT nicht nach Ideen fragen, sondern stattdessen würdest du folgende Frage stellen: Welche Beobachtungen aus meiner täglichen Arbeit könnten für andere interessant sein?
Allein dieser Perspektivenwechsel verändert erstaunlich viel. Plötzlich geht es nicht mehr darum, künstlich Themen zu produzieren. Stattdessen beginnt man darüber nachzudenken, was im eigenen Arbeitsalltag tatsächlich immer wieder passiert.
Welche Fragen tauchen häufig auf? Welche Denkfehler begegnen dir regelmäßig? Welche Situationen führen dazu, dass Menschen feststecken?
Sobald man beginnt, diese Momente bewusst wahrzunehmen, merkt man schnell, wie viele Themen eigentlich direkt vor der eigenen Nase liegen.
Zwei Artikel aus meinem Blog
In meinem eigenen Blog gibt es zwei Artikel, die auf den ersten Blick kaum unterschiedlicher sein könnten.
Der erste Artikel ist schon älter und entstand aus einer ganz konkreten technischen Frage zum Thema Newsletter-Einstellungen mit dem Websitebaukasten Jimdo. Menschen suchen danach, weil sie ein bestimmtes Problem lösen möchten. Sie geben eine konkrete Frage in eine Suchmaschine ein und hoffen, möglichst schnell eine Antwort und Hilfe zu finden.
Der zweite Artikel entstand aus einem Social Media Reel und einem anschließenden Gespräch mit ChatGPT über ein scheinbar banales Erdbeer-Rätsel. Dabei ging es weder um Technik noch um eine Anleitung, sondern um einen typischen Denkfehler, der mir in Gesprächen mit Menschen immer wieder begegnet.
Beide Artikel funktionieren erstaunlich gut, allerdings aus völlig unterschiedlichen Gründen.
Warum der Jimdo-Artikel gefunden wird
Der Jimdo-Artikel beantwortet eine sehr konkrete Frage. Menschen suchen gezielt nach einer Lösung, weil sie gerade an einem bestimmten Punkt nicht weiterkommen. Genau solche Situationen führen dazu, dass jemand eine Suchmaschine öffnet und eine präzise Frage eingibt.
Wenn ein Artikel dieses Problem verständlich erklärt und eine Lösung anbietet, entsteht automatisch Suchtraffic. Der Inhalt wird gefunden, weil er eine konkrete Situation aufgreift, die viele Menschen kennen.
Solche Artikel sind klassische Problemlösungsartikel. Sie funktionieren, weil sie ein klares Bedürfnis treffen.
Warum der Erdbeer-Artikel Resonanz erzeugt
Der Erdbeer-Artikel funktioniert völlig anders. Niemand sucht aktiv nach diesem Thema. Trotzdem hat der Artikel relativ große Resonanz ausgelöst.
Viele LeserInnen haben sich in der beschriebenen Situation wiedererkannt. Einige haben Kommentare geschrieben oder den Artikel weitergegeben, weil ihnen plötzlich klar wurde, dass sie denselben Denkfehler schon einmal gemacht haben.
Dieser Artikel hat also nicht primär Suchtraffic erzeugt, sondern Gespräche. Ausgangspunkt war eine einfache Beobachtung.
Der eigentliche Schlüssel zu guten Blogartikeln
Wenn man beginnt, eigene Gespräche, Fragen und Aha-Momente bewusster wahrzunehmen, verändert sich die Perspektive. Ein Satz aus einem Kundengespräch, eine typische Frage in einer E-Mail oder ein Gedanke, der immer wieder auftaucht, wenn jemand versucht sein Onlinebusiness aufzubauen.
Solche Situationen wirken im ersten Moment unscheinbar. Sobald man sie notiert und später noch einmal anschaut, erkennt man häufig Muster. Genau an dieser Stelle entstehen oft die spannendsten Blogartikel.
Gute Blogartikel entstehen selten durch Ideenlisten. Sie entstehen durch Beobachtungen.
Die 5-Zeilen-Beobachtungsnotiz: Meine einfache Methode für Blogartikel-Ideen
Damit solche Gedanken nicht verloren gehen, habe ich mir eine sehr einfache Struktur angewöhnt. Sie besteht aus fünf kurzen Punkten, die ich mir direkt notiere, sobald mir etwas auffällt.
- Beobachtung: Was ist mir aufgefallen?
- Situation: In welchem Kontext ist das passiert?
- Typischer Gedanke: Was denken Menschen in dieser Situation häufig?
- Erkenntnis: Was steckt eigentlich hinter diesem Gedanken?
- Titelidee: Welche Frage oder Perspektive könnte daraus ein Artikel werden?
Diese Notizen dauern selten länger als zwei Minuten, trotzdem entsteht mit der Zeit eine erstaunlich große Sammlung von Themen. Manche dieser Notizen entwickeln sich später zu Blogartikeln, andere bleiben zunächst Beobachtungen, bis irgendwann eine passende Perspektive auftaucht.
Blogartikel-Ideen mit ChatGPT finden funktioniert anders als viele denken
Interessanterweise passen solche Beobachtungen sehr gut zu der Art, wie Menschen heute im Internet suchen. Viele Suchanfragen bestehen aus konkreten Fragen oder sehr spezifischen Problemen. In der Suchmaschinenoptimierung spricht man hier von Long Tail Keywords.
Diese Suchanfragen bestehen meist aus mehreren Wörtern und beschreiben eine sehr konkrete Situation. Genau deswegen sind sie besonders wertvoll, weil sie ein klares Informationsbedürfnis zeigen.
Wenn ein Blogartikel aus einer realen Beobachtung entsteht, trifft er erstaunlich oft genau solche Suchanfragen. Man schreibt dann nicht für ein Keyword, sondern über eine Situation, die tatsächlich existiert. Genau deshalb funktioniert der Artikel später häufig auch in der Suche.
Contentstrategie mit ChatGPT entwickeln
An diesem Punkt wird ChatGPT für mich wirklich interessant. Ich nutze die KI heute nicht, um Themenlisten zu erzeugen, sondern setze sie als Denkpartner ein.
Wenn ich mehrere Beobachtungen gesammelt habe, gebe ich sie gemeinsam in ChatGPT ein und stelle Fragen wie:
- Welche Muster erkennst du in diesen Notizen?
- Welche Themen tauchen immer wieder auf?
- Welche Fragen könnten Leser dazu haben?
Auf diese Weise werden Zusammenhänge sichtbar. Viele kleine Beobachtungen beginnen ein größeres Bild zu ergeben. Man erkennt typische Denkfehler, wiederkehrende Fragen und Themen, die sich durch viele Gespräche ziehen. Daraus lässt sich Schritt für Schritt eine Contentstrategie entwickeln.
ChatGPT erfindet diese Strategie nicht, sondern die Inhalte entstehen aus realen Situationen. Die KI hilft lediglich dabei, Zusammenhänge sichtbar zu machen.
ChatGPT ist kein Ideenautomat. Es ist ein Denkpartner.
Eine andere Frage an ChatGPT
Der eigentliche Nutzen von ChatGPT liegt möglicherweise gar nicht darin, möglichst viele Ideen zu produzieren. Deutlich spannender wird es, wenn man die KI nutzt, um die eigene Arbeit besser zu verstehen.
Statt zu fragen: "Welche Blogartikel soll ich schreiben?" könnte die Frage lauten: Welche Beobachtungen aus meiner Arbeit könnten für andere Menschen interessant sein? Oder: Warum funktioniert dieser Blogartikel besonders gut?
Wer beginnt, solche Beobachtungen regelmäßig zu sammeln, stellt oft fest, dass ihm die Themen für Blogartikel irgendwann nicht mehr ausgehen.
Häufige Fragen zur Contentstrategie mit ChatGPT
Kann ChatGPT eine komplette Contentstrategie erstellen?
ChatGPT kann sehr gut dabei helfen, vorhandene Gedanken zu strukturieren, Muster zu erkennen und Themen zu sortieren. Die eigentliche Substanz einer Contentstrategie entsteht jedoch fast immer aus echten Beobachtungen im eigenen Arbeitsalltag.
Sollte man ChatGPT nach Blogartikelideen fragen?
Das kann für einen schnellen Einstieg hilfreich sein. In vielen Fällen entstehen dadurch jedoch sehr allgemeine Themenlisten. Deutlich interessanter wird es, wenn man ChatGPT stattdessen eigene Beobachtungen analysieren lässt.
Warum funktionieren Artikel aus Beobachtungen oft besser?
Solche Artikel beschreiben reale Situationen. Menschen erkennen sich darin wieder, stellen ähnliche Fragen in Suchmaschinen oder teilen den Artikel weiter, weil er ein bekanntes Problem sehr klar beschreibt.
Wie oft sollte man solche Beobachtungen notieren?
Am besten sofort, wenn sie entstehen. Viele der interessantesten Themen entstehen in kurzen Momenten während eines Gesprächs oder direkt nach einer Frage aus einer E-Mail.
Wo gute Blogartikel wirklich entstehen
Die spannendsten Blogartikel entstehen selten am Schreibtisch.
Die besten Blogartikel beginnen nicht mit einem Keyword. Sie beginnen mit einer echten Situation. Sie entstehen in Gesprächen, in Fragen und manchmal in kleinen Momenten, die man zunächst gar nicht ernst nimmt.
Wer beginnt, solche Momente bewusst zu sammeln, merkt schnell, dass sich daraus immer neue Themen entwickeln. Irgendwann stellt man fest, dass man eigentlich eine unerschöpfliche Quelle an Ideen für Blogartikel hat.
Deine

Mehr zum Thema einfaches SEO findest du in meinem Artikel "SEO, Google & Semantische Suche: Haben Keywords bald ausgedient?"


Ich bin noch eine von den alten Blogleserinnen und mich langweilen die meisten Blogposts – gefühlt generischer 0815-Kram. Das lese ich gerne: Ja, BP die eine bestimmte Frage beantworten, die Haltung des Autors klar wird, Erfahrungsberichte und Buchvorstellungen.
Für meine eigenen Blogposts nehme ich deine Fragen mit – und bin gespannt, wie meine jetzt ankommen.
Vielen Dank für deinen zustimmenden, wundervollen Kommentar, liebe Bettina. 💚
Danke für diesen tollen Artikel, der mich wirklich inspiriert! Ich benutze die KI auch zunehmend als Sparringspartner
Ich freu mich über deinen Kommentar, vielen Dank. Ja, KI kann uns wirklich gut unterstützen. 💚