Kurz & Knapp
Die 15 Minuten, die meinem Imposter nicht gefallen haben
Vor Kurzem saß ich in einem Zoom‑Call und dachte mir: „Shit. Davon habe ich eigentlich keine Ahnung.“
Mein innerer Imposter fand diese Erkenntnis übrigens ausgezeichnet.
Eine Unternehmerin aus meiner Onlinebubble hatte ein technisches Problem mit einem Tool, das für ihr Business wichtig ist. Sie ist eine echte Expertin auf ihrem Gebiet. Jemand, der genau weiß, was er tut.
Ich hingegen saß da, hörte zu und merkte ziemlich schnell: Das konkrete Thema gehört nicht zu den Dingen, mit denen ich mich täglich oder überhaupt gerne beschäftige.
Normalerweise ist das genau der Moment, in dem sich mein innerer Kritiker meldet und sehr überzeugend erklärt, warum ich jetzt besser einfach freundlich nicken sollte. In meinem Kopf lief ungefähr folgender Dialog ab:
„Davon hast du absolut keine Ahnung.“
„Stimmt.“
„Dann halt dich besser einfach raus.“
Das wäre vermutlich auch passiert, wenn es sich um eine fremde Kundin gehandelt hätte. In diesem Fall saß mir jedoch eine Kollegin und Freundin aus meiner Bubble gegenüber. Jemand, mit dem ich offen sprechen kann, ohne dass sofort der Perfektionsdruck mit am Tisch sitzt. Also hörte ich mich sagen: „Lass uns mal gemeinsam draufschauen.“
Mehr war es in diesem Moment eigentlich nicht. Kein großer Plan, keine geheime Technik, sondern nur die Entscheidung, gemeinsam hinzusehen statt vorschnell aufzugeben oder abzuwinken.
Wenn Technik nicht funktioniert, hilft selten hektisches Klicken
Wer schon einmal versucht hat, ein technisches Problem zu lösen, kennt vermutlich diesen Reflex: Man klickt sich durch Menüs, probiert verschiedene Einstellungen aus und hofft irgendwo auf den magischen Moment, in dem plötzlich alles funktioniert.
Ich kenne das auch. Früher habe ich genau so gearbeitet. Heute mache ich etwas anderes. Ich mache langsamer, nehme die Hände von der Tastatur und atme erstmal durch.
Das klingt im ersten Moment vielleicht seltsam, denn gerade wenn etwas nicht funktioniert, entsteht schnell Druck. Man möchte eine Lösung finden, am besten sofort. Genau in diesem Moment hilft es allerdings, einen Schritt zurückzutreten und nicht alles gleichzeitig lösen zu wollen.
Statt überall gleichzeitig hinzuschauen, beginne ich immer mit denselben Fragen: Was wissen wir sicher? Was funktioniert bereits? Und was müsste eigentlich passieren, passiert aber nicht?
Diese Art zu denken kommt aus meiner technischen Erfahrung. Wenn Systeme aus vielen Teilen bestehen, lässt sich ein Problem selten lösen, indem man alles gleichzeitig betrachtet. Man sucht stattdessen nach dem nächsten kleinen Puzzleteil.
Ein Test nach dem anderen
Also haben wir genau das gemacht. Wir haben nicht hektisch herumprobiert, sondern einen kleinen Check nach dem anderen gemacht. Ein Test, dann ein Blick auf die Reaktion des Systems, danach die nächste Vermutung überprüfen.
Es ist ein bisschen wie Detektivarbeit. Man sammelt Hinweise, bestätigt eine Vermutung oder streicht sie wieder von der Liste. Auch das ist hilfreich, denn jedes „Das war es nicht“ bringt einen Schritt näher an die eigentliche Ursache.
Nach ungefähr fünfzehn Minuten kam der Moment, den vermutlich alle kennen, wenn vielleicht aus anderen Bereichen und nicht aus der Technik. Der Moment, in dem plötzlich klar wird, wo der Haken sitzt.
Ein kleiner Test hat uns genau die Information geliefert, die wir gebraucht haben. Damit war das Problem gelöst. In fünfzehn Minuten.
Ganz ehrlich: Ein Teil von mir war danach fast ein bisschen beleidigt. Mein Imposter hatte sich nämlich gerade erst warmgelaufen.
Die Erkenntnis, die mich überrascht hat
Am Abend nach dem Call saß ich noch da, ließ mir die Situation durch den Kopf gehen und musste schmunzeln. Rein fachlich hätte meine Gesprächspartnerin dieses Problem viel eher lösen müssen als ich. Sie arbeitet mit diesem Bereich jeden Tag. Ich nicht.
Trotzdem haben wir gemeinsam die Lösung gefunden. Nicht, weil ich mehr wusste, sondern weil ich etwas anderes Wichtiges eingebracht habe.
„Ich kann mit Ruhe, Erfahrung und System von außen auf ein Problem schauen. Während jemand mitten im Chaos steckt, sortiere ich die Puzzleteile und finde den nächsten sinnvollen Schritt.“
Diese Art zu arbeiten ist für mich so selbstverständlich geworden, dass ich sie lange gar nicht als eigene Kompetenz gesehen habe. Ich mache das ständig: mit Ruhe auf eine Situation schauen, Erfahrungen aus anderen Systemen übertragen und Schritt für Schritt herausfinden, wo der eigentliche Haken sitzt.
Für mich fühlt sich das völlig normal an. So normal wie eine heiße Dusche am Morgen. Man denkt ja auch nicht jeden Tag darüber nach, dass Warmwasser und Dusche eigentlich ziemlich großartige Erfindungen sind.
Diese strukturierte Art zu arbeiten beschreibe ich auch in meinem Artikel über die Vorteile meines inneren Monks in der Zusammenarbeit.
Warum wir unsere eigenen Stärken oft übersehen
Viele Menschen verbinden Kompetenz automatisch mit Fachwissen. Wer mehr weiß, kann besser helfen. Zumindest denken wir das. Manchmal stimmt das auch. Manchmal stimmt es aber eben nicht.
Gerade bei technischen Themen oder dem Onlinebusiness passiert häufig etwas anderes: Wer mitten im Problem steckt, sieht oft nur noch das Chaos. Alles wirkt gleichzeitig wichtig und dringend. Der Blick von außen verändert diese Situation sofort.
Plötzlich wird das Problem kleiner, Struktur entsteht und der nächste sinnvolle Schritt wird sichtbar. Genau diese Perspektive hatte ich in diesem Gespräch und nehme sie oft ganz selbstverständlich ein. Während meine Gesprächspartnerin verständlicherweise mitten im Problem steckte, konnte ich ruhig daneben sitzen und sagen: „Lass uns Schritt für Schritt schauen, was hier eigentlich passiert.“
Eine kleine Erinnerung für dich
Diese Erkenntnis hat meinem inneren Imposter übrigens erstaunlich gut getan. Er wurde in seine Schranken gewiesen. Dieser kleine Kritiker im Kopf behauptet nämlich gerne, man dürfe nur helfen, wenn man die perfekte Lösung bereits kennt.
Vor Kurzem hat mir diese Situation gezeigt, dass das gar nicht stimmt. Manchmal reicht es völlig, ruhig zu bleiben, gemeinsam hinzuschauen und ein Problem Stück für Stück auseinanderzunehmen.
Vielleicht kennst du solche Momente auch. Dinge, die du schon so lange tust, dass sie sich völlig normal anfühlen. Fähigkeiten, über die du gar nicht weiter nachdenkst, weil sie für dich selbstverständlich geworden sind. Bis plötzlich eine Situation auftaucht, in der dir klar wird: Genau darin liegt eigentlich eine Stärke.
Manchmal braucht es nur fünfzehn Minuten, um sich dessen bewusst zu werden.
Mein Weg in dieses Business ist übrigens auch eine interessante Geschichte, die kannst du gerne im Artikel über die Geburtsstunde der Onlinemagie nachlesen.
Deine


